Accessoires für Herren

| AUTOR/IN DIESES BEITRAGS Philip Lücke | pro-manschettenknoepfe.de |

Welche Accessoires für Herren sind "tragbar"?

Für den korrekten Auftritt von Männern im Business- und Gesellschafts-Bereich kommt es unbedingt auf die Beachtung bestimmter Dresscodes an, die auf die jeweilige Grundsituation abgestimmt sind. Je nachdem, ob der Anlass hochoffiziell, offiziell, semi-offiziell oder casual ist, wird erwartet, sich entsprechender Etikette gemäß zu kleiden. Das betrifft nicht nur die Auswahl und Kombination von Anzug, Hemd und Schuhen, sondern auch die Accessoires wie Uhr, Krawatte oder Gürtel. Ein guter, stilsicherer Eindruck bei Bekleidung und Accessoires wird vom Gegenüber in der Regel auch als indirekter Hinweis auf Respekt und beruflich erwünschte Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Souveränität und Regelfestigkeit gewertet. Auch ist der Effekt bei bestimmten Meetings nicht zu unterschätzen, dass durch Beachtung bestimmter Dresscodes nonverbal signalisiert wird, zur gleichen gesellschaftlichen Gruppe zu gehören oder doch zumindest die gleichen Ansichten und Normen verinnerlicht zu haben. Verglichen mit den Damen haben die Herren sowohl bei der Bekleidung als auch bei den Accessoires erheblich weniger Spielraum. Es gilt für den Mann hier generell das Zurückhaltung und eine gewisse Konformität verlangende Prinzip „Weniger ist mehr“.

Die Armbanduhr: Der klassische Herrenschmuck

Armbanduhr_Herren Dementsprechend ist die Armbanduhr nahezu das einzige Schmuckcharakter besitzende Accessoire des modisch konservativ auftretenden Mannes. Lediglich elegante Krawattennadeln und Manschettenknöpfe sowie Ehe- und Verlobungsringe, eventuell auch dezente Siegelringe, sind daneben akzeptabel. Insgesamt zwei Ringe sind das Maximum an Männerhänden. Aufdringlich wirkender, steinbesetzter Finger- oder Handgelenkschmuck, sichtbar über dem Hemd getragene Ketten sowie Ohrringe sollten unbedingt vermieden werden. Uhren haben wie in früheren Zeiten der Zierdegen oder –dolch die Eigenschaft, dass sie kein reines Schmuckaccessoire sind. Der Besitz einer Uhr hat nämlich immer auch etwas Funktionelles und weist auf Zeitmanagement-Fähigkeiten hin. Dem eher zur Freizeit passenden Uhrenarmband aus Metall sollte im förmlichen Leben ein Armband aus Leder vorgezogen werden. Die Farbe hat gedeckt zu sein und sollte mit der Farbgebung der Schuhe und des Gürtels übereinstimmen. Ein Zuviel an Masse und Glitzer verträgt sich auch bei Uhren nicht mit der Forderung nach Eleganz und Understatement. Klobige Breituhren mit reichlich technischen Finessen wirken aggressiv und neureich, also unseriös. Zudem sind große Uhren oft unpraktisch, weil sie bei Armbewegungen nicht geschmeidig unter die Manschette des Hemdes gleiten können, sondern unschöne Stauungen verursachen.

Idealerweise ist die formelle Herrenuhr flach und strahlt unaufdringliche, aber deutliche Eleganz aus. Zu den bevorzugten Farben gehören silber-graue Töne. Wer es gemäßigt auffallend und elegant-sportlich wagt, bewegt sich mit einer Patek Philippe, einer Longines oder einer durch ihre Rundlochzeiger charakterisierten Brequet wahrscheinlich noch regelmäßig im Rahmen des Erlaubten. Schöne, aber nicht unbedingt als Understatement-Zeichen geltende Zeitmesser von Breitling oder Rolex könnten unter Umständen bei bestimmten Anlässen ebenso wie edle Sport-oder Militär-Chronographen und –Chronometer nicht unbedingt passend sein. Auf der sicheren Seite ist der Uhrenträger wohl meistens, wenn er sich für zurückhaltende Klassiker wie die rechteckige Jaeger-LeCoultre oder eine durch ihre Großdatumsanzeige sofort erkennbare Uhr der für deutsche Uhrmacherkunst stehenden Tradtions-Firma A. Lange & Söhne entscheidet.

Blickfänger im Halsbereich: Krawatte und Krawattennadel

Krawatte_als_Herrenaccessoire Das wohl auffälligste Accessoire ist die zum Geschäftsanzug unbedingt obligatorische Krawatte. Eine Krawatte verbindet durch ihre standardisierte Form einerseits die erwünschte Konformität, anderseits erlauben Wahl der Knotenart sowie der Farbgebung in gewissen Grenzen überraschende Individualität. Gute Anzugs-Krawatten sind aus Seide gemacht. Kunststoff- oder Leder-Schlipse gelten als No-Gos. Dagegen können elegante Cashmere-Krawatten durchaus zum Büro- oder Gesellschaftsanzug getragen werden. Eine Qualitäts-Krawatte ist aus drei Stoff-Teilen zusammengenäht, die in einem 45-Grad-Winkel zur Laufrichtung ausgeschnitten worden sind. Bei besonders aufwendig gefertigten Krawatten, z. B. von Spezialisten aus der Londoner Savile Row, ist die Innennaht mit der Hand genäht („handfinished“).

Business-Krawatten sind durchgehend durch Einfarbigkeit oder durch betont unauffällige Designs, die sich oft nur in winzigen Details voneinander unterscheiden, gekennzeichnet. Beliebt sind Paisley-Muster oder Punkte. Motivkrawatten mit Enten oder Käfern sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Weiße (“White Tie“) und schwarze („Black Tie“) Krawatten sind wenigen bestimmten Anlässen vorbehalten. Beliebt sind nicht nur im Vereinigten Königreich die durch Schrägstreifen-Muster bestimmten Club-Krawatten, deren Farbkombination und Streifendicke auf die Zugehörigkeit des Trägers zu bestimmten, meist elitären Vereinen, Bildungseinrichtungen oder Militäreinheiten hinweist. Bei diesen Bindern ist aber Vorsicht angezeigt, will der Schlipsträger z. B. nicht in die peinliche Situation kommen, mit einer Krawatte des britischen Grenadier-Garderegiments um den Hals bei einem Meeting auf einen echten Veteranen dieses Regiments zu treffen.

Beim Knoten sind allgemein mittelgroße Varianten wie der Windsor oder der Four-in-hand auffällig großen oder kleinen Knoten vorzuziehen. Bei der Farbwahl ist auf Anzugs- und Hemdfarbe abzustellen. Passend bei unterschiedlicher Grundfarbe von Anzug und Hemd sind z. B. unifarbene Krawatten in einer nicht zu aufdringlichen Komplementärfarbe. Gestreifte Krawatten zu gestreiften Hemden sind akzeptabel, solange die Krawattenstreifen nicht zu schmal sind.

Die einzige Alternative zur Krawatte beim förmlichen Auftritt stellt die Schleife („Fliege“) dar, wenngleich sie schon den Anklang von Extravaganz hat. Ein immer ein wenig playboy-mäßig wirkender Krawattenschal dagegen passt nach Mehrheitsmeinung auf keinem Fall zum korrekten Anzug.
Die Frage, ob es angebracht ist, eine Krawattennadel oder eine Krawattenspange als Schmuck oder auch als Schlips-Befestigungsutensil zu tragen, ist nicht allgemein verbindlich zu beantworten. Auch hier gilt, wenn überhaupt, die Regel „Weniger ist mehr“. Dezente Nadeln und Spangen können eine Krawatte durchaus optisch aufwerten, ohne protzig zu wirken

Gürtel: Unauffällig, aber wichtig

Gürtel_Herren Das unauffälligste Accessoire ist der Gürtel, aber auch hier ist Sorgfalt in der Auswahl angezeigt. Da die unteren Knöpfe der Anzugsjacke nicht geschlossen werden, rücken die Leibbinder auch regelmäßig immer einmal wieder ins Blickfeld. Stoffgürtel mögen zu Freizeithosen passen, zum Gesellschaftsanzug auf keinem Fall. Hier ist Leder die einzige Wahl. Bei der Gürtelbreite sollten drei Zentimeter nicht unterschritten und fünf Zentimeter nicht wesentlich überschritten werden. Die Gürtelschnalle, vorzugsweise aus Messing, darf nur bedingt modisch gestaltet werden und hat ansonsten in abgerundeter oder eckiger Form schlicht zu sein. Auf keinem Fall dürfen Gürtel eine andere Farbe als die Schuhe haben. Daraus folgt die Beschränkung der zur Wahl stehenden Farbgebungen auf Schwarz und Brauntöne. Im optimalen Fall korrespondieren Schuh- und Gürtelfarbe mit dem Uhrenarmband.

Akzente setzender Kleinschmuck: Manschettenknöpfe

Die im deutschsprachigen Raum weniger als in angelsächsischen Ländern verbreiteten Manschettenknöpfe bieten sowohl die Möglichkeit, angenehm aufzufallen, als auch die Möglichkeit, sich ausgiebig zu blamieren. Die Auswahl bei diesen ausschließlich an Hemden mit Klappmanschette („Doppelte Manschette“) und dresscode-mäßig nicht an Kombinationsmanschetten (mit dem Extra-Loch für den Manschettenknopf) tragbaren Kleinschmuck-Teilen ist riesig. Farblich auf den Anzug und auf die Gürtelschnalle abgestimmte und von der Form- und Motiv-Gebung nicht aufdringlich gestaltete Manschettenknöpfe aus Metall oder Emaille können sehr gute Akzente setzen.

Brillen und Sonnenbrillen: Optische Hilfen mit unterschiedlicher Bewertung

Sonnenbrille_als_Herrenaccessoire Brillen als medizinisch erforderliche Sehhilfen für Männer entziehen sich weitgehend dem Dresscode und werden stattdessen als naturgegeben angesehen wie lichtes Haar oder Falten. Solange die Brille nicht offensichtlich als Provokation gestaltet ist oder wie eine zu tropfenförmige Pilotenbrille aussieht, wird in der Gesellschaft in der Regel nur wenig Wert auf die Form der Brillen gelegt. Allerdings muss schon erkennbar sein, dass handwerkliche Qualität und Preis der Brille nicht im unteren Viertel der Angebotspalette zu verorten sind. Jemand, der eine altmodische Hornbrille zu einem stilsicheren Anzug mit perfekt dazu kombinierten Accessoires und Schuhen trägt, ist jedenfalls nie auf der falschen Seite.

Anders sieht es bei der deutlich als Mode-Utensil wahrgenommenen Sonnenbrille aus. Sonnenbrillen haben im Gesicht eines Mannes ausschließlich außerhalb von geschlossenen Räumen und tatsächlich auch nur bei Sonnenschein ihre Existenzberechtigung. Es wird als Selbstverständlichkeit angesehen, dass die Sonnenbrille bei Betreten eines Hauses oder bei Begrüßungen abzunehmen ist. Jemand sonnenbebrillt, also gesichtsverhüllt, anzusprechen, gilt als grobe Unhöflichkeit. Abgenommene Sonnenbrillen lässig ins Haar zu stecken oder im Hemdkragen baumeln zu lassen, dürfte zumindest im förmlichen Bereich oft das gesellschaftliche Aus bedeuten. Mit einem der seit den 1930er Jahren bekannten, zeitlosen Modellen von Ray Ban ist ein Sonnenbrille tragender Mann gut beraten. Egal, ob mit der berühmten Piloten-Brille oder der insbesondere in mediterranen Ländern populären, dickrahmigen Wayfarer. Blasshäutige Männer sollten, um zu krasse Kontraste zu vermeiden, darauf achten, statt Schwarz besser Braun als Grundfarbe ihrer Sonnenbrille zu wählen.

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