Der "Second-Hand"-Gentleman

| AUTOR/IN DIESES BEITRAGS Philip Lücke | pro-manschettenknoepfe.de |

Der "Second-Hand"-Gentleman

Vor etwa zwanzig Jahren galten Second-Hand-Läden bei uns nicht gerade als passender Ort, um sich mit stilvoller Kleidung einzudecken. Vielleicht musste man dabei sofort an die Altkleidercontainer denken, die an den Straßenrändern vorbeieilende Passanten dazu einladen, ihren übervollen Kleiderschrank von unmodernem Zeug zu befreien, das dann in diversen Wohltätigkeitsläden bedürftigen Mitmenschen zum Tiefstpreis angeboten wird. Eventuell drängte sich einem dann auch die Kelly-Family ins Gedächtnis, die in den 1990er Jahren in Deutschland immense Erfolge feierte. Die Kellys kauften ihre ausgefallene Bühnenkleidung auf dem Flohmarkt oder im Gebrauchtladen. Da wurde hemmungslos drauflos kombiniert, Rüschenhemden zu Lederhosen, romantische Blümchenkleider zu ausgeleierten Strickwesten, verrückte Hüte zu ausgefallenen Indianer-Ketten und hochhackigen Schnürstiefeln. Die zwölfköpfige Musikerfamilie war optisch auf jeden Fall ein Hingucker – aber sie wirkte zweifelsohne auch ein wenig schmuddelig und nicht gerade elegant oder stilvoll. Man sah ihnen an, dass ihre Kleidung aus zweiter Hand stammte und das bestätigte sicherlich die Meinung vieler Menschen, dass Second-Hand-Klamotten alt und abgetragen aussehen und daher eben vorwiegend von finanziell Bedürftigen oder exzentrischen Künstlern getragen werden.

Vintage-Kleidung als Statement

Diese Zeiten sind auf jeden Fall vorbei. Galt es früher als unschicklich und blamabel, sich im Gebrauchtladen mit Kleidung zu versorgen, findet heute niemand mehr etwas daran, auf Flohmärkten oder Second-Hand-Läden nach coolen und einzigartigen Vintage-Stücken zu stöbern. Das zeigen uns nicht zuletzt auch Stars wie Kate Moss oder Rose McGowan.

Second-Hand-Kleiderläden sprießen also momentan wie die Pilze aus dem Boden und auch im Online-Handel sind Gebrauchtläden nicht mehr wegzudenken. Eine Nische für Kunden, die neben guter Qualität und niedrigen Preisen aber auch auf Markennamen Wert legen, wurde von Designer-Second-Hand-Shops geschlossen.

Wem die Suche im Netz jedoch zu einseitig ist, hat auch noch die Möglichkeit, sogenannte Cloth-Swapping-Partys aufzusuchen. Dort nimmt man einfach die Kleidungsstücke von zu Hause mit, die einem selbst nicht mehr passen oder die man in einem akuten Anfall von Kaufsucht ohne nachzudenken in die Tasche gestopft hat und tauscht sie gegen andere Sachen. Im Allgemeinen sind diese Partys gut besucht, so dass sicher jeder irgendwas findet und das Beste daran ist – man gibt keinen Cent dafür aus! Das alles gilt natürlich vermehrt für das weibliche Geschlecht, denn – mag es nun präemanzipatär klingen oder nicht – meist sind es noch immer Frauen, die sich für Kleider und Shoppen interessieren. Da man bei Second-Hand-Läden jedoch immer darauf angewiesen ist, dass vorher jemand vorbeikommt und seine gebrauchte Kleidung abgibt, kann man davon ausgehen, dass die Auswahl an Damenmode dort erheblich größer ist die Herrenkollektion.

Wir sind uns also einig, dass es für jeden möglich ist, coole Outfits aus zweiter Hand zusammenzustellen. Neben dem immensen Vorteil, dass man dabei eine Menge Geld spart, kann man so allerdings auch ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft, gegen Snobismus, gegen Konsumwahn und gegen Uniformität setzen.

Was viele am Second-Hand-Shopping besonders lieben, ist, dass es sich hier um eine Art Schatzsuche handelt. Man weiß vorher nie, was man findet. Die meisten Sachen gibt es dort eben nur in einer Größe und dann stellt sich die spannende Frage, ob es auch die richtige ist. Man kann sicher Pech haben und bei einem Besuch im Vintage-Shop einmal nichts Passendes finden. Man kann aber auch Riesenglück haben und ein Teil entdecken, dass jedes Alltagsoutfit in einen absoluten Hingucker verwandelt. Genau jenes Gefühl, wenn man etwas absolut Geniales ergattern konnte, macht den besonderen Reiz des Second-Hand-Shoppings aus und stellt das Gegenteil zum üblichen Fast Fashion dar. Shopping als Erlebnis eben.

Wie sieht es nun aber aus, wenn man als Mann ein Business-Outfit benötigt? Hat man überhaupt eine Chance, sich stilvoll mit Second-Hand-Anzügen einzukleiden? Wie kann man es als Mann schaffen, trotz schmalem Budget und gebrauchter Kleidung einen gepflegten Eindruck zu hinterlassen?
Dazu muss man zuallererst einmal fragen, was denn ein gelungenes Business-Outfit eigentlich ausmacht?

Den Rahmen für ein stilvolles Business-Outfit bilden natürlich der Anzug und das Hemd. Anzüge gibt es in verschiedenen Passformen von „Regular fit“ über „Casual fit“ bis hin zum schmal geschnittenen „Slim fit“. Das Herzstück ist allerdings das Hemd. Es kann schon allein für sich gemeinsam mit einer lässigen Jeans und schicken Schuhen ein legeres Business-Outfit ergeben.
Praktisch ist es, wenn man sich ein Grundoutfit anschafft, das man dann beliebig erweitern und kombinieren kann (ähnlich dem „Kleinen Schwarzen“ für die Frau).

Accessoires runden das Outfit ab

Überhaupt sollte man die Accessoires nicht außer Acht lassen. Wenn man Aktentasche, Schuhe und Gürtel gleich zu Beginn in derselben Farbe kauft, passt immer alles perfekt zusammen und man muss sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Für das gewisse Extra können dann Krawatten, Krawattennadeln oder Manschettenknöpfe sorgen, die – wenn möglich – aufeinander abgestimmt sein sollten. Damit lassen sich Akzente setzen und die eigene Persönlichkeit kann in den Berufsalltag einfließen.

Manschettenknöpfe? Krawattennadeln? Sind das die Dinger, die vielleicht noch für unsere Großväter oder sogar Urgroßväter zu einem eleganten Äußerem dazugehörten, heute aber fast von der Oberfläche verschwunden sind? Genau, nur Zweites stimmt so nicht ganz. Denn die Manschettenknöpfen , die in den 1920er Jahren einen Höhepunkt erlebten, erfahren heute wieder eine Renaissance. Wahr ist, dass die Entwicklung des sportlichen Hemdstils mit den ungestärkten Manschetten, die man mit einfachen Knöpfen schließen konnte, den Gebrauch von Manschetten zunächst ablöste. Das änderte sich dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg, wo die Swinging London Scene der 1960er Jahre die Manschettenknöpfe wiederentdeckte. Als einer ihrer berühmtesten Vertreter gilt Mick Jagger. Damals gehörten zu einem exzentrischen Herrenoutfit ausgefallene Manschettenknöpfe einfach dazu, wie auch Krawattennadeln oder passende Zigarettendosen und Schlüsselketten. Die 1970er Jahre und die Woodstock-Ära verbannten Manschettenknöpfe dann vollständig aus dem Kleiderschrank. Dagegen gelten sie heute wieder als trendig und speziell.

Das gleiche gilt für die Krawattennadel, die nicht mit der Krawattenspange verwechselt werden darf und heute wieder zunehmend an Beliebtheit unter den männlichen Trendsettern gewinnt. Ihre ursprüngliche Funktion war es, eine Krawatte zusammenzuhalten, indem sie durch den Knoten gesteckt wurde. Sie besitzt einen Zierkopf und wird heute teilweise als Schmuck auch am Revers getragen.

Ist es nun also möglich, sich ein stilvolles Business-Outfit mit Second-Hand-Kleidungsstücken und Second-Hand-Accessoires zusammenzustellen?

Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach. Grundsätzlich kann man sie bejahen. Dadurch, dass es heute bereits eine so große Anzahl an Second-Hand-Läden sowohl in großen Städten als auch online gibt, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, etwas Geeignetes zu finden. Natürlich hängt das aber auch von der eigenen Konfektionsgröße ab. Besitzt man Normgröße oder braucht man Sondermaß? Das spielt bei Second-Hand-Einkäufen eine riesige Rolle. Trägt man eine Größe, die von sehr vielen Männern getragen wird, ist auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man etwas Gebrauchtes findet, das einem passt. Es ist natürlich von Vorteil, wenn man eine Lieblingsmarke bei seinem Anzug kennt, denn dann kann man gleich gezielt danach suchen (vorwiegend im Netz) und so vielleicht schon nach kurzer Zeit sein bevorzugtes Teil um einen vergleichsweise geringen Betrag in Händen halten. Ansonsten ist es wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee, wenn man sich in einem Herrenausstatter-Geschäft mal durch die verschiedenen Anzüge durchprobiert und herausfindet, welche Marke bzw. welche Passform man bevorzugt.

Überhaupt ist die richtige Passform das A und O jedes gelungenen Business-Outfits. Denn man kann einen noch so teuren Armani-Anzug tragen – wenn er an den Oberarmen schlackert oder um den Bauch spannt, dann sieht das einfach unprofessionell und schlampig aus.

Trotzdem sollte man natürlich auch auf die Qualität des Anzugs Wert legen, und hier liegt der Vorteil des Second-Hand-Kaufes eindeutig auf der Hand. Denn unter Umständen kann man einen echt hochwertigen Schurwolle-Anzug aus zweiter Hand um das gleiche Geld erwerben, das man für einen zwar neuen, doch weit weniger qualitätsvollen 08/15 Baumwolle-Anzug ausgegeben hätte. Dazu kommt noch, dass Anzüge zu den Kleidungsstücken gehören, die am besten gepflegt werden. Das bedeutet, dass sie oftmals nur wenig getragen und danach meist sorgsam chemisch gereinigt wurden.

Allerdings sollte man genügend Zeit für die Suche nach dem passenden Anzug einplanen. Natürlich kann man Glück haben und ziemlich bald das Richtige finden, aber im Allgemeinen lässt sie so etwas nicht erzwingen, denn schließlich ist der Kauf in einem Second-Hand-Laden – wie früher schon erwähnt - vergleichbar mit der Suche nach einem Schatz. Und ein Schatz lässt sich nicht auf Knopfdruck finden. Man muss also ständig die Augen offen halten, immer wieder mal stöbern und wühlen – dann wird die Suche auch bestimmt von Erfolg gekrönt sein.

Sollte der Anzug dann eventuell kleine Unpässlichkeiten haben, ist das heute auch kein so großes Problem mehr. Wenn es das Kleidungsstück wert ist (von der Qualität her) und der Preis dafür auch absolut gerechtfertigt war, kann man auch in Betracht ziehen, den Anzug bei einer Änderungsschneiderei anpassen zu lassen.

Natürlich lassen sich auch Hemden in Second-Hand-Läden erwerben, aber die Auswahl an diesen ist eher gering. Anders sieht es bei Krawatten aus, die es in Hülle und Fülle gebraucht zu kaufen gibt. Auch Manschettenknöpfe und Krawattennadeln kriegt man aus zweiter Hand. Etwas ganz Besonderes ist es sicher, wenn man noch Schmuckstücke von seinen Vorfahren besitzt, die man verwenden kann. Auf jeden Fall lohnt es sich sicher, einmal in seiner eigenen Familie nachzufragen, ob noch irgendwo Manschettenknöpfe und Krawattennadeln aufbewahrt werden, die eigentlich ja niemand mehr braucht. Muss man dann jedoch feststellen, dass diese nicht zum eigenen Anzug, Hemd und Krawatte passen, kann man sich natürlich noch im Internet auf die Suche nach speziellen Stücken machen. Man wird überrascht sein, wie viel einem dazu angeboten wird. Sind die Manschettenknöpfe und Krawattennadeln allerdings aus Gold oder Silber, muss man sich darauf einstellen, dass hier ganz billig nicht viel zu haben ist. Entscheidet man sich hier für ein altes Vintage-Schmuckstück, macht man das dann wahrscheinlich weniger, um Geld zu sparen, sondern eher, um etwas Einzigartiges zu besitzen, ein Stück mit Geschichte also, das so besonders ist wie sein Träger gerne sein möchte.

Fazit

Ja, es ist als Mann möglich, sich mit einem Business-Outfit aus zweiter Hand stilvoll zu kleiden, aber man braucht doch Zeit und Geduld, um das Richtige für sich zu finden. Und richtig ist das Outfit dann, wenn man sich darin wohlfühlt, wenn nichts drückt, zwickt oder herum schlackert. Ein perfekt passendes Business-Outfit kann einem auf jeden Fall das nötige Selbstbewusstsein verleihen, das man braucht, um sich im Job zu bewähren.

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