Die Trends in der Herrenmode 2016

| AUTOR/IN DIESES BEITRAGS Torsten Grom | pro-manschettenknoepfe.de |

Männer Fashion Trends 2016

Schneeweiße Spitzenhemden und glitzernde Manschettenknöpfe, Business-Shorts, Hawaii-Hemden, schwarze Rollis und weite Schlabberhosen sind Highlights der neuen Männermode 2016. Einige Teile würden in der kommenden Saison wohl auch an den Damen ganz wunderbar aussehen.

Neues aus dem Modezirkus

Mode für Männer Rund um die Welt zieht der Modezirkus von Fashion Week zu Fashion Week; die Shows in Paris, New York und London geben dabei die Trends vor. In der Männermode allerdings führen die Italiener: Ob bei der Herrenmodenmesse in den alten Gemäuern des Kastells von Florenz, der Heimatstadt von Gucci und Ferragamo, oder auf der Settimana della moda di Milano: Hier können die Protagonisten und die Fans in den neuen Herrenmodetrends schwelgen – und die kündigen für Frühjahr und Sommer 2016 große Schlabberhosen, Rüschenhemden mit hochwertigen Manschettenknöpfen, riesige Kragen, kunterbunte Einstecktücher, Slipper in unzähligen Variationen sowie Jeans in bequemen Weiten an.
Auffällig ist in den Kollektionen der berühmten Modehäuser wie Prada, Gucci, Givenchy oder Saint Laurent ein zunehmend androgyner Style. So gleichen sich die Linien für Damen und Herren sowohl ästhetisch wie konzeptionell immer weiter an, sodass Kundinnen und Kunden nicht mehr ausschließlich aus den für sie bestimmten Kollektionen wählen müssen. Also bedient sich die Damenwelt ebenso selbstverständlich im Herrensegment, wie modebewusste Männer auch aus den Damenkollektionen schöpfen.
Darauf reagieren die Einkäufer aus den internationalen Department-Stores. Das renommierte Londoner Kaufhaus Selfridges beispielsweise baute seine Pop-up-Fläche "A Gender" bedeutend aus. Denn das Credo ist: „Kauf, was dir gefällt und nicht nur, was deinem Geschlecht zugeschrieben wird“.
Das ist wohl die augenfälligste Maxime der Herrenmode für Frühjahr/Sommer 2016. Als Inspiration und zum Nachshoppen kommen hier Highlights namhafter Kollektionen.

Détournement

Modetrends für Männer 2016 Guccis aktuelle Männerkollektion heißt "Détournement", was so viel wie „Umsteuern“ heißt. Das Modehaus kommt in diesem Kontext mit einem so augenfälligen Batik-Trenchcoat, der prädestiniert ist, hier als Erster aufgeführt zu werden. Gucci-Chefdesigner Alessandro Michele vermischt eifrig Geschlechter, Stilistiken und Reminiszenzen - und ein besonderes Ergebnis der nonchalanten Modemixtur ist der Gucci-Batik-Trenchcoat, vorzugsweise in blau-wollweiß. Das Haus Gucci will damit den jugendlichen Optimismus und die modische Experimentierfreude darstellen. Die auffälligen Mäntel kommen im klassischen Schnitt und können auch von Frauen getragen werden. Gleiches gilt für die Schluppenblusen mit Manschettenknöpfen und die Schlaghosen aus den 1970ern, einem Jahrzehnt, in dem schon einmal die Rollen der Geschlechter vehement infrage gestellt worden waren.
Drunter empfiehlt Burberry Prorsum ein Spitzenhemd mit Manschettenknopf – nicht zu verwechseln mit dem Rüschenhemd aus den Swinging Sixteens, sondern durchweg aus hochwertiger Spitze und in bequemer Weite geschneidert. Burberry Prorsum Designer Christopher Bailey verwendet hier und da sogar die bemerkenswerte Guipure-Stickerei mit der Anmutung kostbarer Klöppelspitze. Romantische Spitze war in der Vergangenheit der Damenwelt vorbehalten – die britischen Modemacher verschließen die Hemdsärmel mit stylishen Manschettenknöpfen und kombinieren das Spitzenhemd für den modebewussten Herrn im Bereich Businessmode mit korrekten, gerade geschnittenen Anzügen.
In der Freizeit kommt der Mann jetzt im Hawaii-Hemd. Valentino präsentiert eine ziemlich spaßige Kollektion von Sommermode höchster Qualität - etwa aus handgefertigtem Denim und aus butterweichem Leder. Die Valentino-Hausdesigner Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli verwenden für die neuen Hawaii-Hemden ausschließlich sanfte Erdtöne fernab aller Farbigkeit, was den Teilen eine durchaus luxuriöse Anmutung verleiht.
Dries van Noten präsentiert dagegen Hemden mit Marilyn-Monroe-Druck. Das Langarmhemd verlangt nach den passenden Manschettenknöpfen und ist insgesamt ein Beispiel für den neuen Stil bei Dries van Noten: Aus einer Symbiose oberflächlicher Hollywood-Unterhaltung mit moderner Kunst entstanden Bilder der Schauspiel-Ikone Marilyn Monroe, die von verschiedenen Künstlern geschaffen worden waren und die der belgische Stardesigner unter anderem auch auf seine Hemden drucken lässt.
Gut sehen die Hemden unter Lederjacken aus. Die Patchwork-Lederjacken von Saint Laurent scheinen direkt aus Kalifornien zu kommen. Denn Hedi Slimane schöpft für Saint Laurent aus dem positiven Lebensgefühl des sonnigen Kalifornien. Slimane zollt mit seiner Männerkollektion den Surf-Music-Sounds Tribut. Die Entwürfe kommen in einer ganz modernen und zugleich genialen Vintage-Shop-Attitüde. Dazu klimpern Surfer-Ketten, es gibt den Manschettenknopf aus Holz, Trucker-Cappies, überlange Karohemden mit Manschettenknöpfen, Bomberjacken und die knallengen Jeans aus der letzten Saison. Menswear-Designerin bei Louis Vuitton ist Kim Jones. Die Londonerin verarbeitet in ihren Kreationen die Kulturen unterschiedlicher Länder, ohne schnöden Multi-Kulti abzuliefern. Vielmehr gelingt es ihr in ihrer 2016er Kollektion, bestehenden Kluften einen modernen Touch zu verleihen. So variiert sie für die kommende Saison amerikanische Sportswear mit Bildern aus Japan und Taiwan. So in ihren bequemen Blouson-Jacken.
Dior Homme zeigt Kurzarmpullover mit Camouflage-Muster. Designer Kris Van Assche will seine Kollektion als Ordnung in der Unordnung verstanden wissen und deshalb mixt er akkurate Schnitte, die so typisch sind für das Haus Dior, mit Camouflage und mit zahlreichen Reißverschlüssen. Bevorzugte Farbe bei Dior ist übrigens ein Orange, das den MA-1-Bomberjacken von Skinheads entnommen wurde.

Der Rock

Fashion Victims sollen wieder einmal Rock tragen – und zwar Jeansrock. Das jenseits von Kilt oder Gothic eher seltene Herrenbeinkleid wird in der kommenden Saison von Givenchy favorisiert: Stardesigner Riccardo Tisci kombiniert seinen ausgeprägten christlichen Glauben mit Sportswear und nordamerikanischer Ikonografie – heraus kommt ein Männerrock, der einerseits an die Flagge der USA und andererseits an das Jesus zugeschriebene Gewand erinnert. Unverzichtbar bei Givenchy sind rasselnde Schlüsselketten, die Exemplaren von Gefängniswärtern ähneln.
Andererseits empfiehlt Prada Shorts: Business-Shorts sollen gestrenge Strukturen in der formalen Bekleidung des Herren aufbrechen und den neuen Geschäftsmann für Shorts begeistern, die recht viel vom trainierten Oberschenkel zeigen – wie weiland unsere Väter zu den Bundesjugendspielen. Wer zudem die Damenmode des Hauses kennt, weiß um die Stärke der Frauen bei Prada – umso unschuldiger lässt Miuccia Prada den Mann an ihrer Seite auftreten. Dafür sorgen die knappen, kurzen Hosen. Der Mann soll dazu weite Hemden tragen, die mit Raketen- oder Rennautodrucken verschönert werden. Um nicht wie ein kleiner Bub daherzukommen, muss der Herr schon alle Facetten eines selbstbewussten Statements beherrschen – was wiederum gut für die Geschäfte sein kann. Übrigens bezeichnet die Designerin die Geschlechterdiskussionen als überflüssig. Weil Frauen ohnehin mächtiger sind?
Wem Rock oder Shorts zu aufregend erscheinen, findet in der Kollektion von J.W. Anderson zur inneren Ruhe. Die Styles kommen in asiatischer Ästhetik – wie ein Haiku in Kleidungsform: Hosen, Hemden, Shirts und Jacken bestechen durch hochwertige Einfachheit. Die geradlinigen Schnitte kommen mit einer beinahe kindlichen Attitüde. In diese Richtung arbeitet nach wie vor auch Jil Sander. Sie greift für ihre geradlinig geschnittenen Blazer und Anzüge zu sexuell konnotierten Materialien wie Latex und Lackleder. Ergänzung ist das blütenweiße Oberhemd mit Manschettenknopf und ein gerader, langer Mantel in Braun- und Grautönen.
Ebenfalls fernöstlich inspiriert ist die Kollektion von Thom Browne, die auch in die Gender-Strömung hineinpasst. So ergänzt das Label feminines Schuhwerk wie Stöckelschuhe oder Badelatschen mit grauen Herrenanzügen, die mit japanischen Kirschbäumen und anderen Symboliken bestickt wurden.

Maskuline Sexyness

Mode für Männer 2016 Klimapolitisch zeigt sich Vivienne Westwood. Hier kommen die Männer mit übergroßen Overalls, auf denen der Schriftzug „Salve Venezia“ prangt. Die Ikone befürchtet den Untergang der Lagunenstadt. Alles in allem sind die Vivienne-Westwood-Sachen so weit geschnitten, dass man ständig ein Runterrutschen befürchten muss. Westwood bezeichnet den Effekt als ihre neue Idee von maskuliner Sexyness.
Ruhige Töne schlägt das Label Maison Margiela an. Dabei war der skandalumwitterte John Galliano, der die erste Herrenkollektion der belgisch-stämmigen Marke kreierte, in der Vergangenheit für die eher schrillen Töne zuständig: Gerade geschnittene Anzughosen und kastige Blazer werden zu klassischen Oberhemden mit hochwertigen Manschettenknöpfen kombiniert. Dazu sorgen lange Ledermäntel, bodenlange Westen und transparente Tanktops dann doch noch für etwas Theatralik.
Bei Balmin ist der Herr ein "starker Mann, der die Welt entdeckt". So stellt das Pariser Modehaus den reisefreudigen Mann in den Fokus, der mit Schnitten und Details im Safari-Look aufläuft.
Apropos Reisen: Haider Ackermann frönt in seinen modischen Kreationen nach eigenen Angaben Fantasien von Ausbruch und Flucht. Welchen Strapazen der Modeschöpfer so ausgesetzt ist, ist unbekannt – dass er einmal Tänzer werden und nach Russland und Persien reisen wollte, wissen Insider schon. Wohl deshalb mixt Ackermann in einer bunten Melange Einflüsse unterschiedlicher Kulturen mit Codes aus der Welt des Tanzes, wie Balletthosen, Wickel-Westen und superweiche, flache Lederslipper.
Sehr bemerkenswert sind auch die Wide Leg Pants von Raf Simons. In seiner Kollektion 2016 arbeitet der Belgier die Interaktion verschiedener Generationen modisch auf, etwa zwischen Enkelkindern und Großeltern. Ergebnisse sind superbequeme, superweite und superlange Hosen, die coole, jugendliche Typen zu Hoodies mit großen Kapuzen tragen. So trifft klassischer Touch auf bewusst altbackenen Strick. Allerdings müssen die weiten Pullover bauchfrei sein. Dazu kommen noch weitere Anklänge an die Popkultur vergangener Zeiten.

Es leben Ska und Rocksteady!

Modetrends für Männer 2016 Diese Popkultur war in England entscheidend geprägt worden. Deshalb sind britische Modedesigner Meister in der Gestaltung von passenden Referenzen: Das kreative Team von Topman Design bezieht sich auf die Londoner Flower-Power-Subkultur der ausgehenden 1960er Jahre und zeigt intellektuelle schwarze Rollkragenpullis oder bunte, enge Shirts zu sehr weiten Hosen mit scharfen Bügelfalten.
Paul Smith zeigt eine außerordentlich eklektische Kollektion: Da treffen dekadente Glanzstoffe mit schrillen Farben auf Proportionen zwischen ganz eng und ganz weit. Seine Herrenanzüge zum weiten Hemd mit Manschettenknopf sind Reminiszenzen an die zahlreichen Musiker, die er einkleidete.
Apropos Musiker: In der neuen Männerkollektion von Donatella Versace sieht man eng um den Kopf gebundene Tücher à la Axl Rose, die zu überlangen T-Shirts über schlabbrigen Anzughosen oder weiten Bermudas getragen werden.
Dass auch eine Kombination von poppiger Farbigkeit und royaler Attitüde zu spaßiger Männermode führen kann, zeigt Jeremy Scott mit seiner neuen Menswear-Kollektion für Moschino: Hier werden Clownskostüme barock aufgepimpt, starke Farben mit Luxusmaterialien wie Brokat und Spitze kombiniert und Retro-Sportswear mit athletischen Details wie farbige Paspeln, bunten Patches und seitlichen Streifen gemixt.
Der großartige Alexander McQueen liefert maritime Styles: Seine Anzüge spickt er mit Seefahrer-Symbolen wie dem Manschettenknopf mit Anker und mit Drucken von vermeintlichen Seeungeheuern. Dazu kommen Orden, goldene Marine-Knöpfe und Nautilus-Sterne.

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