Wann ist der Mann ein Mann?

| AUTOR/IN DIESES BEITRAGS Philip Lücke | pro-manschettenknoepfe.de |

Wann ist der Mann ein Mann?

Jede Epoche beantwortete diese Frage mit ihren eigenen Wertvorstellungen, die sich zuweilen in ihren Paradigmen des sehr schnell veränderten oder ganz im Gegensatz sogar Jahrhunderte überdauerten. In der Moderne bemühen wir uns nun darum, das neue Bild des Mannes zu zeichnen, der sich mit den vielfältigen Folgen des Prozesses der Emanzipation der Frau arrangieren muss. Talentierte Künstler wie Herbert Grönemeyer oder Ina Deter (Neue Männer braucht das Land, 1982) reflektieren mit sensiblem Spürsinn auf ihre Weise die stetigen Veränderungen in der Gesellschaft. So enthält gerade die Lyrik von Grönemeyers Song "Männer" von 1984 viele wahre Zeilen, die uns auch heute noch zu denken geben.

Die Stellung des Mannes in der modernen westlichen Gesellschaft

Früher war der Mann in der Regel der Beschützer und einzige Ernährer seiner Familie, der Fels in der Brandung, der Kapitän, der sein familiäres Schiff durch den stürmischen Ozean des Lebens navigierte. Entsprechend war sein Wort (zurecht?) Gesetz, eben wie jenes des Kapitäns an Deck eines Schiffes. Was ist daraus heute geworden?

Im Zuge der immer noch anhaltenden Emanzipation der Frau gibt es nur noch wenige Kapitäne. Der gemeine Mann ist nicht einmal mehr "primus inter pares" (Erster unter Gleichen), was ihm zumindest als Gleichberechtigtem eine gewisse Ehrenstellung zuteilwerden lassen würde. Im Gegenteil, er muss schon viel Glück haben, um überhaupt noch als "Gleicher unter Gleichen" anerkannt zu werden. Findet sich der Mann mit seiner neuen "unbedeutenden" Rolle nicht ab, läuft er Gefahr, sein Leben lang allein zu bleiben.

Bei all der Diskussion um Gleichberechtigung genießt die erstarkte Frau dennoch das Gefühl der Geborgenheit durch einen (richtigen) Mann. Dazu gehört selbstverständlich eine finanzielle Sicherheit, die ihrer Familie ein hohes Maß an Stabilität garantiert. Solange Frauen Kinder gebären und großziehen, was sich in unserer Gesellschaft nach wie vor negativ auf ihre beruflichen Möglichkeiten auswirkt, wird die Suche der Frau nach finanzieller Sicherheit im Rahmen ihrer Partnerschaft immer ein Thema bleiben.

Daher wird weiterhin vom Mann erwartet, dass er fleißig an seiner Karriere bastelt, um den (gewachsenen) Ansprüchen der Frau gerecht zu werden. Die Latte liegt heute deutlich höher, denn die Frauen mischen nun kräftig mit in der Arbeitswelt, sind zuweilen sogar der bessere Verdiener in der Familie und kommen mental nicht immer klar mit einem "leistungsschwächeren" Lebenspartner. Immerhin wird der Mann nicht ständig wie ein Esel behandelt, der bis ans Lebensende alle schweren Lasten tragen muss, ohne jegliche Chance darauf, dem Hamsterrad auch mal zu entfliehen. So finden in unserer Gesellschaft zum Beispiel neue Arbeitszeitmodelle wie das "Sabbatjahr" beziehungsweise das "Sabbatical" immer mehr Akzeptanz, die den Männern prinzipiell eine persönliche Neuorientierung eröffnen und der "altbewährten" Midlife-Crisis durchaus entgegenwirken können.

Die Veränderung der Arbeit

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, was in direktem Zusammenhang mit der "digitalen Revolution" steht. Die anstrengende körperliche Arbeit ist einer eher geistigen Arbeit (meistens am Bildschirm) gewichen. Man(n) muss flexibel sein, ständig neue Dinge erlernen, um mit dem rasanten technischen Fortschritt mithalten zu können. Im Ergebnis stehen Männer wie die Frauen im Berufsleben ständig unter Strom.

Nun könnte man argumentieren, dass sich für die Männer eigentlich nicht viel geändert hat, waren sie im Beruf doch schon immer stressgeplagte Wesen, was die ältere Herzinfarkt-Statistik beweist. Allein, heute ist es nicht mehr so oft das Herz, das dem Mann seinen Dienst versagt, sondern es ist vielmehr seine Psyche. Psychische Erkrankungen sind rasant auf dem Vormarsch und werden volkswirtschaftlich immer mehr zu einem dramatischen Problem. Die Ursachen dafür zu ergründen, steht gerade ganz oben auf der Agenda.

Ohne Ventilfunktionen geht es nicht mehr

Neben der bereits oben angedeuteten Auszeit haben Männer als Labsal für Körper und Seele den Sport entdeckt. Gemeint ist hier die aktive Seite des Sports und nicht nur die Betrachtung eines interessanten Bundesliga-Fußballspiels im Fernsehen. Selbst aktiv Sport zu treiben ist gesund für den Körper, stärkt die Muskulatur sowie das Selbstbewusstsein und sorgt nicht zuletzt für eine bessere Figur. Aber es gibt noch einen wichtigen Grund dafür, Sport zu treiben. Durch Sport können wir angestaute Aggressionen abbauen.

Durch den Sport nimmt der Mann zudem viel bewusster seinen Körper wahr. Er achtet auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung und mustert sich immer wieder eitel im Spiegel. Er begreift seinen Körper als Tempel und Kapital. Die Aufmerksamkeit der Frauen ist ihm nun sicher. Die dadurch verbundene Steigerung seines Selbstbewusstseins darf auf keinen Fall unterschätzt werden, denn dieses wiegt heute im Berufsleben schwer. Angenehm bescheidenes und zurückhaltendes Auftreten ist ein Relikt der 1950er Jahre.

Die wichtige Bedeutung von Äußerlichkeiten

Eine selbstbewusste Ausstrahlung hat viele Facetten, nur eine davon ist ein athletischer Körperbau. Ausschlaggebend ist das Gesamtbild des Mannes im Einklang mit dem Zeitgeist. Gestylte Haare, akkurate Nägel und eine saubere Rasur gehören heute wie selbstverständlich zum Mann, dessen Palette von Pflegeprodukten im Bad kaum minder Platz benötigt als die Utensilien seiner Frau. Auch früher spielte das gepflegte Auftreten des Mannes eine Rolle. Das betraf vor allem bestimmte Berufe - Kellner, Auto- und Versicherungsverkäufer und Manager gehörten beispielsweise dazu. Was sich geändert hat, ist eher das heutige riesige Angebot von Pflegeprodukten für den Mann, während die Berufe, die verhornte Hände und Lederhaut im Gesicht zur Folge haben, fast "ausgestorben" sind.

Eine der letzten Bastionen des Mannes, die noch nicht so ganz von den Frauen erobert worden ist, ist sein Bartwuchs und die damit verbundene Bartpflege. Bei den Formen, ob Dreitagebart, Henriquatre oder Vollbart, ist alles erlaubt, Hauptsache der Bart ist gepflegt und passt zur Persönlichkeit, denn Individualität oder ein "Markenzeichen" ist geradezu erwünscht. Und wenn die Kopfhaare so langsam die "Flucht ergreifen", macht der Mann von heute kurzen Prozess und bahnt der Vollglatze konsequent ihren Weg. Das war nicht immer so. Früher wurden die letzten fünf langen Haare stolz quer über den Kahlkopf geklebt in der Hoffnung, dass es draußen nicht so windig ist.

Kleider machen Leute

Dieser Titel der Novelle von 1874 des Schweizer Dichters Gottfried Keller war, ist und wird seine Aktualität niemals verlieren. Zwar gilt in der Berufswelt zuweilen nicht mehr eine so strenge Kleiderordnung wie früher, aber ein Mindeststandard ist auf jeden Fall einzuhalten. Ein gut sitzender Anzug von Qualität sollte es schon sein. Dennoch verlangt das Leben heute dem Mann ein erhebliches Modebewusstsein und die Wahrnehmung der aktuellen Trends ab. Auf der anderen Seite ist der Mann in seiner Freizeit recht frei in der Wahl seines Outfits, das auch gern praktisch oder sportlich rüberkommen darf.

In dieser Hinsicht eröffnen sich dem Mann heute viel mehr Möglichkeiten als früher und er muss der Frau in vielen Aspekten der Mode nicht nachstehen. Allerdings ist dem gemeinen Mann die Zahl seiner Accessoires doch recht begrenzt, gehört er nicht gerade in die vorderste Front der Künstler-Avantgarde. Wer nicht wie ein Zuhälter aus den 1970er Jahren oder ein gefährlicher Rapper der 1990er Jahre wirken will, begrenzt sich lieber freiwillig auf etwas weniger extravagante Accessoires wie Uhr, (Sonnen-)Brille, Manschettenknöpfen und Krawattennadel, die aber dafür umso sorgfältiger ausgewählt werden. Die gute Uhr war schon immer ein Statussymbol und daran hat sich nichts geändert, obwohl heute jedes billige Handy bereits diese Funktion bereitstellt. Und die Brille dient nicht nur dem schärferen Sehen, sondern verschafft ihrem Träger zuweilen auch einen höheren Anschein von Seriosität.

Die Manschettenknöpfe erleben mit ihrer zeitlosen Eleganz gerade ihre wohlverdiente Renaissance. Es ist vielleicht nur eine logische Konsequenz aus dem Wunsch des Mannes, sich aktiv an der Modewelt beteiligen zu dürfen. Diese schönen Schmuckstücke kann der Mann so oft wechseln, wie er will, ohne gleich in den Verruf zu kommen, ein Lackaffe zu sein.

Wie Manschettenknöpfe sind es auch die dezenten Krawattennadeln, die es dem Mann erlauben, sich von der Masse abzuheben und etwas über sich selbst wortlos preiszugeben, was nicht nur von Frauen unbemerkt bleibt. Diese schlichten Utensilien übernehmen eher subtile Funktionen, indem sie an andere, aufnahmebereite Menschen kleine Botschaften versenden. Die Krawattennadel signalisiert beispielsweise, dass der Mann jede Kleinigkeit unter Kontrolle hat und nichts dem Zufall überlässt. Manschettenknöpfe mit Anker weisen auf eine hohe Affinität zu Wasser und Meer hin.

Aber die ganze tolle äußere Erscheinung nützt gar nichts, wenn der Mann keine Manieren hat. Daher gehört das Knigge-Seminar wie der Rhetorik-Kurs und der Stimmen-Trainer zu den Grundvoraussetzungen des jungen Mannes auf seinem Weg in die Welt der wahrlich akzeptierten Erwachsenen. Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass die Stimme einer Blechdose bei einem Mann nicht akzeptabel ist und schon gar nicht bei Frauen irgendein Gefühl aufkommen lässt - außer vielleicht ein mütterliches.

Steckbrief des modernen Mannes

Der Mann in der heutigen Zeit ist ein Individualist. Zwar ist Deutschland bekannt für seine unzähligen Vereine, aber ein Mann sucht sich seinen Verein gezielt nach seinen persönlichen Interessen aus. Er ist überdies ein Genießer. Er trinkt nur ausgewählte Craft-Beer-Sorten und bei der Wahl des Weins fragt er nach der Meinung des Som¬me¬li¬ers. Für Politik interessiert er sich nur dann, wenn am Horizont plötzlich eine neue exotische Partei erscheint. Für seine Interessen kämpft er mit massiver Unterstützung durch eine Anwaltskanzlei. Die Studentenbewegung von Ende der 1960er Jahre ist für ihn ein uraltes Relikt, sofern überhaupt bekannt. Sein Interesse und sein Glaube gelten der Globalisierung und dem Internet, die beide zu seinem Guru geworden sind.

Der moderne Mann ist umweltbewusst, bezieht Ökostrom und sortiert brav seinen Müll. Wie früher interessiert er sich noch immer für PS-starke Autos, spielt dennoch mit dem Gedanken, sich in naher Zukunft ein Elektroauto zu kaufen. Bis dahin nutzt er gern sein abartig schnelles Hightech-Fahrrad, das auf der Straße nur zu oft das wilde Tier in ihm weckt, das sich aber sofort wieder beruhigt, sobald der Mann in sein Auto einsteigt.

Sein Hobby muss möglichst viel mit Sport zu tun haben und ihm so einen richtigen Adrenalinkick bescheren. Sein Wissen bezieht er im Wesentlichen aus dem Internet, eher selten aus Fachliteratur und zum Lesen eines guten Buches hat er keine Zeit. Wie eh und je vermeidet er es, seine Partnerin schnell zu heiraten, windet sich in der Sache gar wie ein Wurm. Dafür verlangen Frauen viel Kreativität und Ausdauer im Bett, erkennen aber durchaus an, dass der Mann ein sensibles, verletzliches Wesen ist.

Auch Männer haben Gefühle

Harte Hülle, weicher Kern, so ist er halt der moderne Mann und er muss seine Gefühle auch nicht mehr verstecken, denn Frauen lieben sensible Männer, was zugleich ihren inneren Konflikt offenbart. Einerseits soll der Mann seine Gefühle offen zeigen, andererseits hassen Frauen Heulsusen. Das Maß an Tränen, das einem Mann zusteht, ist noch lange nicht definiert. So sei er damit also auf der Hut. Mit Gegenworten darf der Mann wohl spielen, denn Eloquenz ist mehr denn je gefragt.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Unser Versuch der Beantwortung dieser interessanten Frage erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Das Leben des Mannes ist in der Moderne nicht einfacher geworden. Er ist stilbewusst, besitzt klassische Werte und gute Manieren, betrachtet sein äußeres Erscheinungsbild und seinen Körper als sein Kapital, ist zielstrebig, Arbeit und Karriere spielen immer noch die überragende Rolle in seinem Leben. Er kämpft mit Sport gegen den Herzinfarkt an und stellt sich dem Übel unserer Zeit, dem Burn-out, wehrhaft entgegen.

Aber das Leben stellt keine unmöglichen Ansprüche an den Mann. Zum Glück finden die meisten Frauen die Männer auf dieser Welt immer noch unersetzlich, sie werden gebraucht und geschätzt. Auch wenn sie heute nicht mehr der unumstrittene Kapitän auf dem Familienschiff sind, haben sie in der modernen Frau doch eine würdige Partnerin gefunden. Zum Schluss stellen wir fest: Es ist schön, ein Mann zu sein.

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