| AUTOR/IN DIESES BEITRAGS Torsten Grom | pro-manschettenknoepfe.de |

Whisky und Zigarren – mehr als nur Accessoires

Es ist sehr zweifelhaft, ob Winston Churchill wirklich auf die Reporterfrage, wie er sein hohes Alter erreicht habe, den berühmt-berüchtigten Ausspruch tat: „Whisky, cigars, and no sports!“. Tatsächlich war der berühmte Brite in seiner Jugend begeisterter Reiter und damit ein echter Sportsmann im Sinne der damaligen Zeit. Wahr ist aber durchaus, dass er zeitlebens dem Whisky ebenso zugetan war wie guten Zigarren – letzteren sogar so sehr, dass ein eigenes Zigarrenformat nach ihm benannt wurde.

Auch wenn Churchills Lebenselixiere nur anekdotisch in diesem Zitat verewigt sein mögen, drückt es doch die Ambivalenz aus, mit der die seitdem folgenden Jahrzehnte beide Genussmittel betrachteten. Zigarren verschwanden mehr und mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung und wurden schon nicht mehr in Flugzeugen oder Zügen geduldet, als das Rauchen dort ansonsten durchaus noch erlaubt war. Und Whisky war spätestens in den Achtzigerjahren zu etwas geworden, das man sich auf Partys in die Cola schüttete, wenn gerade kein Rum zur Hand war. Es half alles nichts: Whisky und Zigarren waren démodé.

Diese Situation begann sich aber zu ändern, als in den Neunzigerjahren eine Wiederbelebung der Rauchkultur rund um Zigarren einsetzte. Auf einmal begannen eingeweihte Kreise von kubanischen Edelmarken zu tuscheln, und dem immer stärker spürbaren gesellschaftlichen Trend zum Nichtrauchen stemmte sich eine wachsende Gemeinde von Afficionados entgegen, die unkritischen Konsum und Abhängigkeitsverhalten ablehnte und sich dafür am Genuss hochwertiger Produkte abseits von Einheitsware erfreuen wollte. Wenige Jahre später erlebte auch der Whisky eine ähnliche Entwicklung. Immer öfter wurde man Zeuge von Fachsimpeleien, wie sie zuvor nur von Weinkennern (den wenigen echten und den vielen eingebildeten) zu hören gewesen waren. Und jetzt ging es nicht mehr um Lagen und Rebsorten, sondern um schottische Inseln und Regionen, abgelegene Brennereien und um jahrzehntealte Jahrgänge, die dort vermeintlich immer noch abgefüllt wurden.

Aus diesen Entwicklungen folgte aber noch etwas anderes, nämlich das Bewusstsein, dass neben blindem Massenkonsum einerseits und fanatischer Askese andererseits auch die Option auf maßvollen und kenntnisreichen Genuss besteht – und die Einsicht, dass Genussmittel und der souveräne Umgang mit ihnen auch mit Lebenskunst und Stilbewusstsein in anderen Lebensbereichen einher gehen. Und so stellt sich mancher stilsichere Gentleman selbst die Frage: Whisky und Zigarren – ist das vielleicht auch etwas für mich?



Whisky, Whiskey und die anderen

Der Weg zum Lieblingswhisky ist oft lang und führt nur über ein gewisses Maß an Wissen und viel Probieren zum Ziel. Wir können hier das nötige Wissen nicht bis ins letzte Detail ausbreiten (dafür gibt es mehrhundertseitige Bücher), aber wir können uns einen ersten Überblick verschaffen.

Fangen wir mit dem Namen an: Beide Schreibungen Whisky und Whiskey sind immer wieder zu lesen, und richtig sind beide. Und zwar bezeichnet Whisky die schottischen Varietäten, Whiskey die irischen und amerikanischen. Weiterhin gilt es zu unterscheiden zwischen Single Malt und Blended Malt, wobei Single Malts aus einer Destillerie stammen und von Jahrgang zu Jahrgang (oft auch von Fass zu Fass) im Geschmack variieren können. Blended Malts dagegen sind Verschnitte aus mindestens zwei Single Malts, was einen gleichbleibenden Geschmack sicherstellen soll.

Innerhalb der Herkunftsländer werden weiterhin Regionen unterschieden, deren Herstellungstraditionen und natürliche Umgebung dem jeweiligen Whisky sein spezifisches Aroma und seinen Charakter verleihen. Besonders vielfältig geht es in Schottland zu: Von den Lowlands, wo sehr lieblicher Whisky gebrannt wird, über Speyside und die Highlands mit einer breiten Palette an Geschmacksrichtungen, bis zu den Atlantikinseln Islay, Orkney, Jura und Skye mit ihren Aromen von Torf, Rauch und Meer, gibt es hier eine unüberschaubare Vielzahl von Whiskys zu erkunden.

Stärker auf wenige Orte konzentriert und dementsprechend etwas weniger vielfältig ist die Whiskeyproduktion in Irland. Eine brauchbare Faustregel ist aber, dass irische Whiskeys im Zweifel milder und süßer sind als ihre schottischen Verwandten.

Nicht nur einen anderen Erdteil, sondern eine eigene Geschmackswelt betritt man mit nordamerikanischen Whiskeys. Hier gilt es in erster Linie zu unterscheiden zwischen Rye, der auf Roggen, und Bourbon, der auf Mais basiert. Andere Brennverfahren, andere Lagermethoden und das von dem der britischen Inseln stark abweichende Klima sorgen dafür, dass die Produkte aus der Neuen Welt ihren ganz eigenen Charakter entwickeln, der seine eigene Anhängerschaft hat.



Der Weg zur perfekten Zigarre

Wer sich ohne nennenswerte Vorkenntnisse dem Thema Zigarrenrauchen nähert, steht vor einer ähnlich unübersichtlichen Situation wie der Whiskyneuling. Die wichtigsten Variablen bei der Auswahl einer Zigarre sind die Herkunft ihres Tabaks und ihr Format. Die berühmteste Herkunftsregion ist sicherlich Kuba. Kubanische Zigarren, oft auch liebevoll-respektlos Havannas genannt, gelten unter Connaisseurs als der Goldstandard, an dem sich alle anderen Zigarren messen lassen müssen. Dass es auch heute noch eine Vielzahl kubanischer Zigarrenmarken gibt, hat die Raucherwelt einem prominenten Fürsprecher zu verdanken: Ganz im sozialistischen Sinne wollte Fidel Castro nach der kubanischen Revolution 1959 das Angebot auf die Einheitsmarke Cohiba beschränken (die bis heute in aller Welt einen hervorragenden Ruf genießt), und ausgerechnet dem Widerstand Che Guevaras (der selbst nicht aus Kuba stammte) ist es zu verdanken, dass auch der Klassenfeind nach wie vor legendäre Marken wie Montecristo oder Romeo y Julieta genießen kann.

Kubanische Zigarren besitzen allerdings ein eher kräftiges Aroma, sodass sie für Anfänger nur bedingt geeignet sind. Einsteigern werden deshalb oft und gerne Zigarren aus der Dominikanischen Republik empfohlen, die deswegen aber für erfahrene Liebhaber nicht weniger geeignet sind. Auch aus weiteren lateinamerikanischen Ländern kommen Zigarren, zum Beispiel fruchtig-würzige aus Honduras oder eher milde aus Jamaika. Eine eigene Anhängerschaft haben Brasilzigarren, die leicht an ihrer sehr dunklen Farbe und dem charakteristischen würzig-erdigen Geruch zu erkennen sind. Wiederum mild, aber mit einem ganz eigenen Aroma, sind Sumatrazigarren aus zumeist niederländischer Produktion.

Die Formenvielfalt von Zigarren ist groß und teilweise auch vom Herkunftsland abhängig. Ob Zigarillos, kaum größer als Zigaretten, schlanke, elegante Panatelas, wuchtige Robustos oder die majestätischen Double Coronas, für jeden Anlass und jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Faustregel ist hierbei, dass sich kleine und schmale Formate eher heiß und schnell (und damit scharf) rauchen, während größere und dickere kühl und langsam abbrennen.



Zigarren und Whisky - eine gute Kombination?

Ob ein Gentleman noch auf der Suche nach dem perfekten Whisky und der perfekten Zigarre ist oder ob er sie bereits gefunden hat – es steht die Frage im Raum: Passen Whisky und Zigarren überhaupt zusammen? Die Antwort ist ein klares „Jein“: Stilistisch spricht sicher nichts dagegen, beides zugleich zu genießen, aber wie steht es mit dem Geschmack? Hier gehen die Lehrmeinungen auseinander. Manchen Whiskykennern geht ihr Lieblingsgetränk niemals beim Rauchen einer Zigarre über die Lippen. Sie argumentieren, dass der Zigarrenrauch bei aller Aromenfülle die Geschmacksnerven immer auch etwas betäube und so auch der stärkste Whisky nicht zur Geltung kommen könne. Abgesehen davon überwiege grundsätzlich der Geschmack des Rauches über den des Getränkes. Andere dagegen schwören auf die Kombination, sie schätzen gerade das Zusammenspiel aus trockenem Rauch und dem frischen Geschmackserlebnis, das ihnen der Whisky verschafft – und der ja in vielen Fällen selbst Raucharomen mitbringt.

Endgültige Geschmacksregeln lassen sich hier wohl nicht aufstellen, und ein jeder wird für sich selbst herausfinden müssen, wie es ihm am besten schmeckt. Eine denkbare Versuchsanordnung ist, eine schwere, würzige Zigarre – zum Beispiel Kuba oder Brasil – mit einem rauchigen, torfigen Islay-Whisky zu kombinieren, und zu lieblichen Whiskys eine entsprechend milde Zigarre zu wählen. Aber grundsätzlich steht dem neugierigen Interessierten natürlich das gesamte Experimentierfeld der Möglichkeiten zur Auswahl.



Vom guten Geschmack zum guten Stil

Kein Zweifel: wer Gentleman ist oder werden möchte und wer ein entsprechend kultiviertes und weltläufiges Männerbild hochhält, befindet sich als Whiskyliebhaber in bester Gesellschaft. Neben dem bereits eingangs erwähnten Winston Churchill (der immerhin ein waschechter Herzog von Marlborough war) stehen Namen von Literaten wie George Bernard Shaw und Mark Twain auf der Liste, dazu gesellen sich Schauspieler wie Clark Gable und Sean Connery oder auch Musiker und Lebemänner wie Frank Sinatra.

In der Welt der Zigarrenraucher geht es nicht weniger illuster zu: Erneut Churchill, aber ein weiterer ikonischer Zigarrenraucher war auch Sigmund Freud, der sich sogar mehrfach mit Zigarre fotografieren ließ. Eigentlich als Pfeifenraucher bis heute berühmt ist Albert Einstein, der sich aber 1920 auf einer Postkarte an seine Nichte Elisabeth selbst so beschrieb: „… Dazu ein eckiger Gang und eine Zigarre im Maul, wenn er eine hat,…“ Arthur Rubinstein war dafür berüchtigt, drei Stunden zu benötigen, um eine große Havanna zu rauchen. Kein Wunder, besaß er doch eine eigene Vega – eine Tabakplantage - auf Kuba und rauchte damit wirklich seine eigenen Zigarren.

An kultivierten und stilsicheren Vorbildern mangelt es also weder für Whisky- noch für Zigarrenfreunde. Aber vielleicht geht es auch vielmehr darum, seinen Stil auch ohne Vorbilder selbst zu prägen und zu leben. Wer sich die Zeit für den Genuss hochwertiger – ja: luxuriöser – Dinge wie gutem Whisky und guten Zigarren nimmt, der entscheidet selbst souverän über sein Konsumverhalten. Er lässt sich nicht einfach von Gewohnheiten und Abhängigkeiten treiben, sondern entwickelt sich selbst und seinen Stil in Eigenregie. Und hier wird sichtbar, dass guter Stil sehr viel mehr ist als eine von vielen Moden, die kommen und gehen. Er basiert auf einem ausgereiften Geschmack und auf einer ausgereiften Persönlichkeit und bildet seinerseits die Grundlage für die Entscheidungen darüber, wie ein echter Gentleman sein Leben gestaltet. Dies berührt nicht nur die Sphäre des Genusses, sondern auch das äußerliche Selbstbild. Ein guter Maßanzug wird immer sichtbar besser sitzen und das Format seines Trägers betonen als Massenware von der Stange. Und ein gut geschnittenes Herrenhemd gewinnt durch Details wie edle Manschettenknöpfen , ebenso wie geschmackvoll ausgewählte Krawatten durch passende Krawattennadeln Struktur und Akzentuierung erhalten.

Zentraler Bestandteil guten Stils und ausgereiften Geschmacks ist aber auch die Kunst, sich auf Wesentliches zu konzentrieren und seinen Worten und Taten das richtige Gewicht zu verleihen. Der bereits erwähnte Sigmund Freud, der ein ebenso guter Stilist wie Erforscher der menschlichen Seele war, wurde einst von einer Dame der Gesellschaft gefragt, ob seine allgegenwärtige Zigarre nicht auch ein Phallusobjekt sei. Der große Mann antwortete mit der mühelosen Überlegenheit des wahren Gentlemans:

„Manchmal, Madame, ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre.“

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